B. Zigann - Honorarberatungen im Finanzbereich
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Mit "Sicherheit" zum Sozialamt - ist das nicht super?

Das Thema Kapitalanlagesicherheit hat durch die sogenannte Wirtschaftskrise enorm an Bedeutung gewonnen. Spätestens jetzt ist jedem klar, dass es die absolute Sicherheit nicht geben kann. Dennoch wird dieses Thema in der Regel von der falschen Seite betrachtet. Die so geprießene Art von Sicherheit, also das Versprechen der Gesellschaften auf die Auszahlung eines bestimmten Geldbetrages, hat beim langfristigen Vermögensaufbau oftmals nur ein Ergebnis zur Folge:
Den Weg zum Sozialamt.
In diesem Bericht ist dieser Zusammenhang verständlich beschrieben und belegt.
Auch hier gilt: „Die Basis der Diskussion sollte die Mathematik sein!“

Sicherheit!

Dieser Artikel befasst sich nicht mit der Art von Sicherheit, die uns von den Finanzdienstleistern und vom Staat suggeriert wird, also nicht mit der Sicherheitsfrage, dass man sein Geld nicht verlieren kann, wenn entsprechende Garantiegeber haften.
Angenommen, Frau Merkel würde garantieren, dass ein bestimmtes Flugzeug nie abstürzt, dann stimmen Sie mir sicherlich zu, dass das niemand glauben würde – oder?
Aber – übertragen auf die Sicherheit im Finanzmarkt - glauben solche Äußerungen fast alle!
Selbst wenn es diese Sicherheit geben würde, werden Sie spätestens nach diesem Artikel verstehen, wie sinnlos und fälschlich diese Sicherheit dennoch wäre.
Definiert man den Begriff der Sicherheit als „Abwesenheit von Gefahren“, so werden Sie erkennen, dass bei den Gesellschaften eine bestimmte Gefahr (vermeintlich) beseitigt wurde und eine andere, viel größere Gefahr allerdings entstanden ist.
Es hat also nichts mit der Abwesenheit von Gefahren zu tun, sondern nur mit der Verlagerung dieser. Das Problem besteht darin, dass die neu entstandene Gefahr sehr viel schwerer zu erkennen ist und sehr viel schwer wiegendere Auswirkungen hat, als die beseitigte.
Im Klartext, die Gefahr „Totalverlust“ wurde nahezu beseitigt, und die Gefahr „Altersarmut“ wurde neu geschaffen. Eventuell klingt es an dieser Stelle unglaublich, wenn wir Ihnen bereits jetzt verraten, dass es sich hier nicht nur um eine Gefahr handelt, die eintreten kann aber nicht muss, sondern um eine Garantie, den Ruhestand in Altersarmut zu verbringen.
Aber beginnen wir zunächst mit den Fakten.

Zusatzversorgung!

Betrachten wir den Jahresbericht 2008 von der Deutschen Rentenversicherung, woraus hervorgeht, dass der durchschnittliche Rentenzahlbetrag der Rentenzugänge in 2008, 660.- Euro monatlich beträgt, so ist es zwingend erforderlich, eine Zusatzversorgung aufzubauen. 660.- Euro monatliche Renteneinnahme haben nichts mit gesichertem Ruhestand zu tun, schon gar nichts mit „Ruhe“ eher vielleicht mit „Stand“, wenn man dies von standhaft ableiten wollte. Kommen wir zu dem Entschluss, dass eine Zusatzversorgung von 1.000.- Euro monatlich angestrebt werden sollte. So kann man nach einem Arbeitsleben von ca. 40 Jahren sicherlich noch nicht die „Federn in die Luft blasen“ aber mit 1.660.- Euro monatlich ist ein Auskommen möglich, zumal ja auch noch Steuern abgeführt werden müssen. Einigen wir uns darauf, dass 1.000.- Euro zusätzliche, monatliche Einkünfte zwingend erforderlich sind.



Betrachten wir nun die Tabelle 1 (Verteilung der Gelder in Deutschland), so stellen wir fest, das etwa 90 Prozent der Deutschen mithilfe der klassischen Sparformen versuchen Vermögen aufzubauen. Unterstellen wir nun, dass die durchschnittliche Sparrate bei etwa 200.- Euro pro Monat liegt, so haben wir realistische Zahlen, um unsere Betrachtung mathematisch aufzubauen. Wir gehen von einer 32-jährigen Person aus, diese Zusatzrente bis zum Alter von 67 Jahren aufbauen möchte.




Sozialamtsgarantie!

Spart unser Musterbürger so, wie es 90 Prozent der Deutschen heute tun, so ergibt sich folgende Rechnung: 200.- Euro monatliche Sparrate – beispielsweise investiert in eine Kapitallebensversicherung (KLV) – ergeben nach einer Laufzeit von 35 Jahren ein Vermögen von ca. 149.000.- Euro (inklusive Überschussschlusszahlung). Dieses Sparverhalten gilt in Deutschland als sicher, seriös, solide, gut und ist allgemein akzeptiert (siehe Tabelle 2). So muss man sparen, das machen alle so…

Gehen wir in der Betrachtung einen Schritt weiter. Unser Durchschnittssparer möchte die 1.000.- Euro monatliche Zusatzrente haben. Wichtig ist jetzt, dass eine inflationsbereinigte Betrachtung durchgeführt wird. Diese ist völlig einfach. Bei 3% Inflation (der Lebenshaltungsindex liegt weit darüber) benötigt unser Sparer in 35 Jahren 2.814.- Euro im Monat, damit er sich das Gleiche kaufen kann wie heute von 1.000.- Euro.
Über die Auswirkungen der Inflation wurde schon oft berichtet, das Thema sei hier nur nochmal kurz ins Gedächtnis gerufen. Kommen wir zurück zu unserem Beispiel. Wenn unser Sparer also in 35 Jahren monatlich 1.000.- Euro nach heutiger Kaufkraft entnehmen möchte, dann ist sein Kapital aus der KLV, also die 149.000.- Euro, nach 4,5 Jahren aufgezehrt. Mit anderen Worten, der Sparer investiert 35 Jahre lang 200.- Euro monatlich, um im Alter von 71 Jahren zum Sozialamt zu gehen, denn dann ist das Geld aufgebraucht (siehe Chart 1).

 Das verstehen wir unter Sozialamtsgarantie, also dass es sicher ist, dass diese Person mit 71 zum Sozialamt gehen muss und das Händchen aufhalten darf. 40 Jahre arbeiten, um dann in Armut zu leben, das hat kein Mensch verdient. Aber genau das wird in Deutschland als sicher, seriös, solide und akzeptiertes Sicherheitssparen verkauft – Sie wissen von wem! Und jetzt zu behaupten, alternative Investmentkonzepte, die eine zweistellige Rendite ermöglichen, seien hochspekulativ oder gar unseriös (siehe Tabelle 2) ist der Gipfel der Unverschämtheit. Denn im schlimmsten Fall, also wenn der Sparer genau bei Renteneintritt sein gesamtes Vermögen verlieren würde, besteht das Risiko nur mehr darin, dass er 4,5 Jahre früher zum Sozialamt gehen müsste, als derjenige, der sein Geld „sicher“ angespart hat und in den herkömmlichen Sparformen investiert ist. Die Wahrscheinlichkeit für solch ein Szenario dürfte gegen null tendieren, wenn man bedenkt, dass in diesem Fall bei entsprechenden Investmentkonzepten der gesamte Wirtschaftsmarkt kollabieren müsste und selbst dann gibt es aus den herkömmlichen Sparformen auch kein Geld mehr, weil diese Gesellschaften ja selbst im Wirtschaftsmarkt investiert sind. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz! Sie sehen, es gibt keine Möglichkeit mit den herkömmlichen Sparprodukten und durchschnittlichen Sparraten eine Altersvorsorge nachhaltig aufzubauen. Die Mathematik lässt es nicht zu. 90% der Deutschen landen in der Altersarmut, wenn Sie nicht vorher gestorben sind. Und wenn Sie nicht gestorben sind, so gehen Sie noch heute zum Sozialamt!!! Das kann nicht die Lösung sein.

Ruhestands(!)chance!

Nur mal angenommen, unser Durchschnittssparer würde 35 Jahre in ein Investmentkonzept investieren, das eine nachvollziehbare zweistellige Jahresrendite ermöglichen würde – solche Anlagekonzepte gibt es bereits – und dieses Investment würde eine tatsächliche Rendite von 11% pro Jahr erwirtschaften, so würde im Alter von 67 Jahren ein Vermögen von 869.000.- Euro zur Verfügung stehen, das ist reine Mathematik – sonst nichts. Dieses Vermögen würde bei einer identischen Entnahme von 1.000.- Euro monatlicher Zusatzrente nach heutiger Kaufkraft erst nach 33 Jahren aufgezehrt sein. Also jetzt müsste unsere Person erst im zarten Alter von 100 Jahren den Weg zum Sozialamt beschreiten. Sie werden zustimmen: Bei diesem Endalter dürften wir auf der sicheren Seite sein (siehe Chart 2).

Liebe Leser, liebe Leserinnen, das ist die einzige - wirklich die einzige – Chance auf ein angemessenes und sorgenfreies Leben im Ruhestand. Das Risiko im schlimmsten Fall besteht darin, dass man 4,5 Jahre früher zum Sozialamt gehen muss als sein Nachbar, der aber nach 4,5 Jahren mit Sicherheit zum Sozialamt geht. Die Frage, die sich stellt, ist: „Gehe ich lieber mit 71 zum Sozialamt oder habe ich eine Chance auf den gesicherten Ruhestand bis zum 100-sten Geburtstag?“ Auch bei den herkömmlichen Sparprodukten gibt es keine absolute Sicherheit auf die Auszahlung eines bestimmten Betrages, was in meiner Argumentation unterstellt wurde – die Krise hat es bewiesen. Und die Krise wird noch beweisen, dass die vermeintlich sicheren Spareinlagen in geldwerte Anleihen – egal ob staatliche oder unternehmerische Verbriefungen –, in die gerade Milliarden von Sparvermögen flüchten, am härtesten von Pleiten und der Inflation betroffen sein werden!

Fazit:

Allein die mathematische Betrachtung lässt es nicht zu, dass mit durchschnittlichen Sparraten und herkömmlichen Sparprodukten eine Vorsorge aufgebaut werden kann. Es ist definitiv nicht möglich. Keine dieser Sparformen hält einer ehrlichen und inflationsbereinigten Betrachtung stand, auch nicht unter Berücksichtigung eventueller staatlicher Zulagen und Fördermittel. Gerade weil die mathematische Berechnung es schon nicht hergibt, erübrigt sich doch jede weitere Diskussion. Uns ist schon bewusst, dass nahezu jeder in Deutschland versucht, mithilfe der herkömmlichen Sparprodukte seine Altersvorsorge aufzubauen (es gibt 96.000.000 Lebensversicherungen, die für den Vermögensaufbau abgeschlossen wurden, davon 13.000.000 Riesterverträge), das alleine kann aber nicht der Grund dafür sein, dass dies gut ist. Nur weil es alle machen, ist das schon okay? Bitte befreien Sie sich von diesem Gedankengut. Mit der Masse zu gehen bzw. mit dem Strom zu schwimmen ist leider sehr oft der falsche Weg. Überlegen Sie, welcher Fisch schwimmt denn mit dem Strom? Doch nur der tote Fisch – oder?!